CDU Stadtverband Munster

Stadtgespräch

Ärztemangel – heikles Thema beim Stadtgespräch

Der CDU-Stadtverband hatte am 13.05. Michael Schmitz von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) als Referenten für das hochbrisante und aktuelle Thema der ärztlichen Versorgung Munsters beim Stadtgespräch eingeladen.
Schmitz stellte die Situation anschaulich dar, die insbesondere von der neuen Bedarfsplanung der KVN geprägt ist. Munster wird jetzt als eigenständiger Bereich erfasst – daraus ergibt sich aktuell eine Unterversorgung. Für die Ärzte entstehtein erhöhter Arbeitsaufwand, diese werden dafür teilweise von den Mengenbegrenzungen befreit, so dass die durchgeführten Behandlungenbesser vergütet werden. Deshalb ist es jetzt die Aufgabe der KVN, die Unterversorgung abzustellen, indem neue Mediziner nach Munster geholt werden, was aber offenkundig mit Schwierigkeiten verbunden ist. Der Referent zeigte auf, dass sich insbesondere die jungen Mediziner an bestimmten Mustern orientieren, wenn es um die Wahl des Arbeitsortes geht: Ein Großteil verbleibt am ehemaligen Studienort oder zumindest im Umfeld der besuchten Hochschule. Dass die jungen Mediziner zunehmend Frauen sind (ca. 70% weibliche Studenten im Bereich Medizin), bedeutet zudem, dass die grundsätzliche Organisation der Arbeit im medizinischen Bereich einem Wandel unterlegen ist. Es werden u.a. wegen des geringeren finanziellen Risikos Angestelltenverhältnisse bevorzugt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird immer öfter über Teilzeitarbeit erreicht. Durch besseren Arbeitsschutz und somit kürzere Arbeitszeiten für Ärzte an Krankenhäusern ist der Bedarf dort stark gestiegen – genau diese Mediziner fehlen jetzt im ländlichen Raum.
Diesen Herausforderungen steht man aber nicht hilflos gegenüber, wie Schmitz erläuterte. Die KVN unterstützt Kommunen im Werben um Ärzte, indem z.B. Praxis- und Niederlassungsberatungen angeboten werden, der Betrieb von Zweig- oder Teilzeitpraxen erleichtert wird oder Umsatzgarantien gegeben werden. In Modellversuchen wird geprüft, ob speziell qualifizierte Arzthelfer Hausbesuche übernehmen können. Das Modell „Plug and Play“ sieht vor, voll ausgestattete Arztpraxen zur Verfügung zu stellen, in denen dann Mediziner über die KVN angestellt werden. Nach einer Testphase sollen die Räume dann übernommen werden.
Anregungen gibt die KVN aber auch den Handelnden in den Kommunen. So ist die aktive Begleitung von Abiturienten während des Studiums eine Chance, diese nach Beendigung des Studiums für eine Rückkehr in die Region begeistern zu können. Wichtig sind darüber hinaus eine gute Verkehrsanbindung und das soziale und kulturelle Umfeld sowie eine gute Ausstattung mit Kitas, Kindergärten und Schulen.
Als positiv für Munster könnte sich der durch die Bundeswehr bedingt sehr hohe Anteil an Privatpatienten erweisen, auch eine Kooperation mit dem Sanitätszentrum sei möglich, z.B. für die Abdeckung von Notdiensten.
Mit großem Beifall bedankte sich das Publikum im Hotel Stadt Munster bei dem Referenten für den engagierten Vortrag. Auch wenn das Problem der ärztlichen Unterversorgung kurzfristig wohl kaum zu lösen sein wird, sind gute Ansätze vorhanden, mit denen in naher Zukunft wieder eine bessere Versorgung der Bevölkerung erreicht werden soll.